Partnerschaftsbesuch in Krementschuk (Ukraine) vom 9 - 13.8.2019

Nachdem über fast 10 Jahre Besuche in der Ukraine aufgrund der dort
herrschenden Unruhen ausgesetzt waren, fand in diesem Jahr wieder ein
Partnerschaftsbesuch in der „deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde“
in Krementschuk statt. Pastor Hartmut Giesecke von Bergh
wurde dabei von Küster Heinrich Hamburg, Kirchenkreisvorstandsmitglied
Christof Rosenski und Kirchenvorsteher Hinnerk Marienhagen
begleitet. Am 9. August pünktlich um 5:00 Uhr bestieg die Reisegruppe
den Kirchenbulli und fuhr zum Flughafen Dortmund, von wo aus der
Flug nach Kiew, der Hauptstadt der Ukraine startete. Von dort ging es
mit dem Leihfahrzeug weiter nach Krementschuk. Dieser Teil der Reise
– obwohl lediglich etwas mehr als 300 km lang – dauerte fast 5 Stunden
und war recht abenteuerlich, da die Straßen außerhalb der „Autobahnen“
nach deutschen Maßstäben teilweise kaum als befahrbar gelten
können (Anmerkung des Autoren: die gefühlte Schlaglochtiefe lag teilweise
bei über einem Meter). Trotzdem chauffierte Pastor Giesecke von
Bergh die gesamte Reisegruppe sicher zum Zielort, wo die Unterbringung
in einem der Ferienhäuser von Alexander Balin zwischen Dnepr
und Krementschuker Meer vorgesehen war und mit einem hervorragenden
Abendessen eingeleitet wurde. Am Samstagmorgen war die Gruppe
ins Gemeindehaus der Partnergemeinde zu einem zweisprachigen
Gottesdienst in Anwesenheit von Bischof Pawlo Schwarz mit Abendmahl
eingeladen, die Predigt von Pastor Giesecke von Bergh wurde von
Lena (einfach nur die Übersetzerin genannt) übersetzt, alle zwanzig
Gemeindemitglieder waren anwesend, sieben der Gemeindemitglieder
sind erwachsene Konfirmanden. Anschließend wurde der Gemeindesaal
umgeräumt und die Gruppe wurde mit reichlich Selbstgebackenem, Eigenernteprodukten,
Kaffee, Tee und selbstgemachtem Wein zum Essen
verwöhnt. Trotz kleiner Sprachbarrieren gab es fröhliche, aber auch
ernste Gespräche. Die Freude über einen erneuten Partnerschaftsbesuch
prägte die Stimmung und es gab allen Grund für das opulente Mahl zu
danken. Pastor Giesecke von Bergh übergab aus Diakoniemitteln 800,-
€ zur Verwendung in der Gemeinde, die nach Aussagen der Gemeinde
mitglieder ausreichen, um das Gemeindehaus im Winter auch heizen zu
können, was ein großes Problem ist. Einen ganz herzlichen Dank dafür
sollen wir an unsere Gemeinde weitergeben. Die Partnergemeinde bekommt
regelmäßig unseren Gemeindebrief zugesandt, er wird in den
Gemeindeversammlungen übersetzt, darüber hinaus wünschen die Gemeindemitglieder
sich auch ein paar persönliche Zeilen unserer Gemeindemitglieder.
Nach einem sehr herzlichen Abschied von den Gemeindemitgliedern
und Bischof Schwarz übernahm Küster Hamburg auf dem Rückweg die
Rolle des Reiseführers mit einer kleinen Stadtrundfahrt. Am nächsten
Morgen waren wir erneut zu einem Gespräch im Gemeindehaus geladen,
wo die politische Situation ebenso diskutiert wurde, wie auch die
internen kirchlichen Konflikte, die sich auch durch die Separation der
Krim und die Kirchenspaltung der DELKU ergeben. Die enge Zusammenarbeit
mit der „Wiedergeburt“ und die intensive Nutzung des Gemeindehauses
für Deutschkurse wurde hervorgehoben. Problematisch
sei die Gemeindeentwicklung. So seien für alle jugendlichen Konfirmierten
der letzten Jahre die Ausreise bewilligt worden und das Akquirieren
neuer Gemeindemitglieder in einer 250.000-Einwohnerstadt nicht
einfach. Mit einer Träne in den Augen verabschiedete sich die Reisegruppe.
Auf dem Rückweg zum Quartier führte Heinrich Hamburg bei strahlendem
Sonnenschein durch den herrlichen Stadtpark am Dnepr entlang.
Nach einer letzten Nacht in Krementschuk ging es am Montag zurück
nach Kiew, hier wurde uns auch der Unterschied zwischen Hauptstadt
und „Provinz“ deutlich. Da wo in Krementschuk nur an einigen Stellen
bereits Altes renoviert und neu Gebautes neben teilweise verwahrlosten
Gebäuden zu sehen waren, zeigt sich Kiew gestylt und poliert und nur
Weniges zeigte den Charme vergangener sozialistischer Traditionen und
die Vergänglichkeit auch massiver Betonbauten. Insgesamt bleibt ein
hoffnungsvoller Eindruck und herzliche Verbundenheit mit der dortigen
Gemeinde. Beim Abflug vom Flughafen Borispol vor den Toren Kiews
strahlte uns von einem Riesenplakat der Kiewer Bürgermeister Vitali
Klitschko an und Zuversicht aus.
Hinnerk Marienhagen

Besucher

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